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Wetten auf den Brexit? Wenn Buchmacher mehr wissen als Politiker

40 Jahre ist Großbritannien Mitglied der Europäischen Union. Dass gerade das Land nun vor einem Austritt aus der europäischen Staatengemeinschaft steht, das noch weit vor Gründung der EU in Person von Winston Churchill im Jahre 1946 die „Vereinigten Staaten von Europa“ forderte, ist an Ironie kaum zu übertreffen – und war lange Zeit kaum vorstellbar. Auch dies mag erklären, warum der „Brexit“ in Großbritannien nicht nur ein politisches Thema ist, sondern auch in einem anderen Bereich aktuell heiß diskutiert wird: unter Sportwetten-Fans. Diese und auch die Sportwettenanbieter begleiten den Brexit seit dem Referendum im Juni 2016 – und sie wussten manchmal mehr als so manch ein Politiker.

Rosenmontagswagen zum Thema Brexit mit Theresa May als Karikatur.
Der Brexit und Theresa May werden nicht nur in Großbritannien kontrovers diskutiert.

Politik beim britischen Glücksspiel sehr beliebt

Über die mittlerweile schon historische Brexit-Wahlnacht vor fast drei Jahren sind mittlerweile viele Zahlen und Statistiken bekannt geworden. Eine sicherlich aber ebenso interessante Zahl dürfte die folgende sein: 182.000. So viele Briten setzte ihr Geld nämlich beim Wettanbieter Betfair auf ein Ereignis, das der Online-Buchmacher für das Brexit-Referendum in sein Portfolio aufgenommen hatte – und das in nur sieben Stunden und ausschließlich bei einem einzigen Wettanbieter.

Weitere Zahlen anderer Buchmacher sind zwar nicht bekannt oder offiziell bestätigt, doch allein diese Zahl deutet darauf hin, dass politische Ereignisse auf der europäischen Halbinsel eben nicht nur gesellschaftliche Tragweite haben, sondern auch zur Unterhaltungskultur gehören. Eine neue Erkenntnis ist dies aber sicher nicht, denn politische Wetten genießen in Großbritannien eine lange Tradition.

“Die Versicherungsbörse Lloyds of London bot Versicherungen auf Wahlergebnisse an.”

Den Durchbruch feierten Sportwetten in Großbritannien bereits in den Jahren von 1910 bis 1940. Lange vor den Zeiten des Internets oder der Legalisierung von Sportwetten in Großbritannien in den Sechzigern wurden private Wettbüros geführt – in Universitäten, Cafés oder privaten Vereinen und Klubs. Sogar Versicherungen boten Wetten auf politische Ereignisse, vor allem Wahlen, an. Dies fand der Glücksspielforscher Paul Rode von der Universität Michigan heraus.

Selbst Politiker fanden Spaß daran, ihr Glück beim politischen Glücksspiel zu suchen. Der britische Staatsmann Charles James Fox, so steht es zumindest in seiner Biographie, habe bereits im 18. Jahrhundert einen Großteil seines Vermögens investiert, um auf damals aktuelle politische Ereignisse zu wetten.

Wettanbieter mit genaueren Daten?

Interessant ist das aktuelle politische Brexit-Wirrwarr aber nicht nur direkt für Kunden von Wettanbietern. Aus etwas entfernterer Perspektive und mit Blick auf die Historie dürfte dem wachsamen Auge aufgefallen sein, dass hinter den numerischen Wettquoten nicht nur mathematische Rechnungen stecken können, die je nach Wetteinsatz verschieden hohe Gewinne versprechen. Anders als bei Sportevents ist es mit statistischen Datensätzen in der Politik nämlich recht schwierig.

Der Wettanbieter Smarkets beispielsweise bietet seinen Kunden aktuell eine Quote von 6:4 für das Ereignis an, dass Großbritannien zwischen Mai und August 2019 rechtlich und vollständig aus der EU ausscheiden wird. Bei einem anderen Wettanbieter stehen die „Chancen“ für eine Teilnahme Großbritanniens an den anstehenden Europawahlen bei 50 Prozent, rechnet man die Quoten um, willigt man einem zweiten Brexit-Referendum Chancen von knapp 30 Prozent zu.

Da Wettquoten auch immer ein Abbild dessen sind, welches Ereignis Sportwettenfans für wahrscheinlich halten, können die aktuellen Quoten gewissermaßen sogar als politische Meinungsumfrage verstanden werden. Dass dies nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, beweist ein Blick auf das erste Brexit-Referendum.

“Es sieht so aus, als hätten die Glücksspieler ein besseres Gespür gehabt, dass die Leave-Kampagne gewinnen würde.”

Vor drei Jahren tendierten die Quoten bereits stark zu einem Brexit, als Experten und Medien noch völlig im Dunkeln tappten und keinerlei Hochrechnungen verfügbar waren. Während um circa 3.00 Uhr in der Nacht der Abstimmung den Quoten zufolge schon alles so gut wie klar war, sagten die Experten des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders des Vereinigten Königreichs, BBC, den Brexit erst kurz vor 5.00 Uhr voraus.

Quoten der Wettanbieter im öffentlichen Interesse

Dass die Quoten der Wettanbieter vor allen Dingen bei deren Kunden von Interesse sind, dürfte klar sein. In Großbritannien nehmen aber auch Politiker und Journalisten die Wettquoten bei politischen Ereignissen sehr ernst. Tatsächlich werden die Quoten der großen und bekannten Buchmacher sogar in redaktionellen Artikeln der großen Landeszeitungen erwähnt – und das regelmäßig.

Anders als beispielsweise in Deutschland kommt Sportwetten und Wettanbietern in Großbritannien also auch eine gesellschaftliche und politische Bedeutung zu, die weit über Spaß und Unterhaltung hinausgeht. Mittlerweile ist das Interesse an der Vorhersagekraft von Wettquoten sowie deren Bedeutung als Meinungsspiegelbild so groß, dass sich gar Universitäten mit diesem Thema beschäftigen.

Die Universität Cambridge untersuchte in einer Studie zum Beispiel das erste Brexit-Referendum und kam zu dem Schluss, dass die damaligen Wettanbieter im Gros die richtigen Vorhersagen tätigten. Wer also wissen möchte, wie das britische Volk bei künftigen Abstimmungen entscheiden wird, sollte womöglich selbst einen Blick auf die Wettquoten werfen.

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