Der am 11. März in Berlin vorgestellte Glücksspiel-Survey 2025 zeichnet ein differenziertes Bild des Glücksspielverhaltens in Deutschland. Gut jeder dritte Erwachsene hat sich im vergangenen Jahr an mindestens einem Glücksspiel um Geld beteiligt – das Verhalten bleibt damit stabil. Auch die Zahl der Betroffenen mit einer Glücksspielstörung verharrt auf konstantem Niveau: Rund 1,2 Millionen Menschen sind betroffen. Erstmals liefert die Studie auch Erkenntnisse zu Daytrading und kognitiven Verzerrungen. Gleichzeitig bestätigt sie eine wachsende Akzeptanz der Spielerschutzmaßnahmen im regulierten Markt.

Der Glücksspiel-Survey 2025 differenziert klar zwischen den Risikopotenzialen verschiedener Spielformen.
- 36,4 % der Bevölkerung haben in den letzten 12 Monaten an mindestens einem Glücksspiel um Geld teilgenommen.
- 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen erfüllen die Kriterien einer Glücksspielstörung – das entspricht rund 1,2 Millionen Menschen.
- Spielformen mit hoher Ereignisfrequenz wie Automatenspiele oder Live-Sportwetten weisen die höchsten Störungsraten auf.
- Besonders betroffen sind junge Männer: Unter den 18- bis 25-Jährigen liegt die Störungsquote bei 4,6 %.
Ein wissenschaftliches Langzeitmonitoring liefert belastbare Daten
Die Erhebung wurde vom Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) in Hamburg gemeinsam mit der Arbeitseinheit Glücksspielforschung der Universität Bremen durchgeführt und vom Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB) finanziell gefördert. Zwischen dem 4. August und dem 26. November 2025 wurden insgesamt 12.340 Personen im Alter von 16 bis 70 Jahren telefonisch und online befragt. Autoren der Studie sind Dr. Sven Buth, Dr. Jens Kalke und Dr. Moritz Rosenkranz vom ISD sowie Prof. Dr. Gerhard Meyer von der Universität Bremen.
Mit dem dritten Survey nach 2021 und 2023 ist es den Forschern gelungen, ein systematisches wissenschaftliches Monitoring aufzubauen, das erstmals belastbare Vergleiche über mehrere Erhebungszeiträume ermöglicht. Die Verwertungsrechte liegen ausschließlich bei den beteiligten wissenschaftlichen Instituten, was die Unabhängigkeit der Ergebnisse sicherstellt.
Unterschiedliches Risikopotenzial je nach Spielform
Das Gesamtbild des deutschen Glücksspielmarktes hat sich gegenüber den Vorjahren kaum verändert. LOTTO 6aus49 bleibt mit einer Teilnahmequote von 18,3 % die beliebteste Spielform, gefolgt vom Eurojackpot mit 13,8 %. Insgesamt haben 7,5 % der Bevölkerung an riskanten Glücksspielformen teilgenommen, wozu das Automatenspiel, Casinospiele, Sportwetten und KENO zählen. Die Bruttospielerträge im legalen Markt beliefen sich 2024 auf rund 14,4 Milliarden Euro.
„Die Studienergebnisse bestätigen erneut, dass von Lotterien wie LOTTO 6aus49 oder Eurojackpot ein deutlich geringeres Gefährdungspotenzial ausgeht als von den weiteren in der Erhebung berücksichtigten Glücksspielformen. Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Mechanismen der Regulierung greifen”, betonte Axel Holthaus, Geschäftsführer von Lotto Niedersachsen und Vorsitzender der AG Spielerschutz im DLTB.
Die Studie differenziert klar zwischen den einzelnen Spielformen. Bei Lotteriespielen mit geringem Gefährdungspotenzial weisen lediglich 3,2 % der Teilnehmer eine Störung auf. Deutlich höher liegen die Werte bei Spielformen mit schnellen Abfolgen und hoher Ereignisfrequenz: Bei virtuellen Automatenspielen sind es 32,5 %, bei Glücksspielautomaten in Spielbanken 28,1 %, bei Live-Sportwetten 27,0 % und bei Geldspielautomaten in Spielhallen 23,4 %. Diese Zahlen verdeutlichen, dass nicht das Glücksspiel an sich das Problem darstellt, sondern dass bestimmte Spielmechaniken ein erhöhtes Suchtpotenzial bergen – unabhängig davon, ob sie stationär oder online angeboten werden.
Junge Männer als besondere Risikogruppe
Die Daten bestätigen erneut, dass vor allem junge Männer überdurchschnittlich gefährdet sind. Die Störungsquote unter den 18- bis 25-Jährigen liegt bei 4,6 % und damit mehr als fünfmal so hoch wie bei den 56- bis 70-Jährigen (0,8 %). Männer weisen insgesamt mit 3,2 % eine fast dreimal höhere Störungsrate auf als Frauen (1,1 %). Auch die monatlichen Geldeinsätze steigen mit dem Schweregrad der Störung erheblich an: Während unauffällige Spieler im Mittel 30 Euro pro Monat einsetzen, liegt der Median bei Personen mit einer schweren Störung bei 129 Euro. Die Forscher empfehlen daher, zielgruppenspezifische Präventionsmaßnahmen verstärkt auf jüngere, glücksspielende Männer auszurichten.
Erstmalige Erkenntnisse zu Daytrading und kognitiven Verzerrungen
Eine Besonderheit des aktuellen Surveys ist die erstmalige Erfassung von Daytrading-Aktivitäten und kognitiven Verzerrungen. 6,5 % der Bevölkerung gaben an, im vergangenen Jahr kurzfristige Börsengeschäfte getätigt zu haben. Unter den regelmäßigen Daytradern, die mindestens monatlich aktiv waren, lag die Glücksspielstörungsrate bei bemerkenswerten 12,1 %. Diese Ergebnisse bestätigen internationale Studien, die deutliche Verhaltensparallelen zwischen risikoreichen Finanzgeschäften und klassischem Glücksspiel aufzeigen.
Zudem wurde mit dem Gamblers’ Beliefs Questionnaire (GBQ) erstmals das Ausmaß glücksspielbezogener Denkfehler in der deutschen Bevölkerung gemessen. Die Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang: Je schwerer die Glücksspielstörung, desto ausgeprägter sind irrationale Überzeugungen wie der Glaube, das Spielergebnis kontrollieren zu können. Die Forscher empfehlen, diese kognitiven Verzerrungen sowohl in der Therapie als auch in der Prävention stärker zu berücksichtigen.
Regulierung wirkt – der Schwarzmarkt bleibt das eigentliche Problem
Ein besonders positiver Befund ist die kontinuierlich steigende Akzeptanz von Spielerschutzmaßnahmen in der Bevölkerung. Am höchsten ist die Zustimmung zum Glücksspielverbot für Minderjährige mit 93,4 % unter den Spielenden. Auch Maßnahmen wie Spielersperren (82,8 %), Werbebeschränkungen (77,3 %) und Personalschulungen (85,8 %) erhalten breite Unterstützung. Im regulierten Markt werden zentrale Schutzinstrumente wie das bundesweite Sperrsystem OASIS stetig weiterentwickelt – zuletzt etwa durch die Möglichkeit, Fremdsperren nun auch vollständig online zu beantragen.
„Jeder Mensch mit einer Glücksspielstörung ist einer zu viel. Im regulierten Markt greifen Schutzinstrumente wie Einzahlungslimits oder ein bundesweites Sperrsystem – im Schwarzmarkt gibt es das aber nicht”, betonten Mathias Dahms, Präsident des Deutschen Sportwettenverbands, und Dirk Quermann, Präsident des Deutschen Online Casinoverbands.
Tatsächlich bleibt der illegale Markt die größte Herausforderung. Georg Stecker, Vorstandssprecher der Deutschen Automatenwirtschaft, schätzt dessen Volumen allein beim Automatenspiel auf drei bis sechs Milliarden Euro – mindestens jedes dritte Gerät sei illegal. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied: Während lizenzierte Anbieter strenge Auflagen zum Spielerschutz erfüllen müssen, operieren Schwarzmarkt-Betreiber völlig ohne Kontrolle. Spieler, die sich für legale und geschützte Angebote bei seriösen Echtgeld Casinos in Deutschland entscheiden, profitieren von wirksamen Schutzmaßnahmen wie Einzahlungslimits, Sperrsystemen und transparenten Spielregeln. Der Survey 2025 liefert damit eine unverzichtbare Datengrundlage für die Fortschreibung des Glücksspielstaatsvertrags und macht deutlich: Der legale, regulierte Markt ist nicht das Problem – sondern ein wichtiger Teil der Lösung.


