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Blockierung von Online-Casinos – Russland geht härter gegen VPN-Dienste vor

Die russische Regierung verschärft die Maßnahmen zur Blockierung von Online-Casinos. Die Telekommunikationsbehörde Roksomnadzor mit Sitz in der Hauptstadt Moskau kündigte an, mehrere VPN-Dienste zu sperren. Das Vorhaben steht unter der Prämisse, dass die Dienste dazu angehalten werden, ihren Datenverkehr an das staatliche Informationssystem FGIS zu koppeln. Das System verbindet alle verbotenen Webseiten in Russland – auch die von internationalen Online-Casinos.

Putins Regierung verbietet seit 2017 die Nutzung von VPN-Diensten.
Die russische Telekommunikationsbehörde Roksomnadzor will VPN-Dienste blockieren. Das betrifft auch zahlreiche Online-Casinos.(©Pixabay)

Privatsphäre in Gefahr

Ausgangspunkt für die drohende Sperrung waren die Äußerungen von Aleksandr Zharov, Chef der russischen Telekommunikationsbehörde Roskomnadzor. Dieser kündigte an, den Zugang zu insgesamt neun VPN-Diensten zu sperren. Die Thematik war bereits im März publik geworden, da zehn VPN-Anbieter aufgefordert worden waren, ihren Datenverkehr über das staatliche Filtersystem FGIS zu regulieren.

Unter den aufgeforderten VPN-Diensten habe bislang nur das in Russland ansässige Unternehmen Kaspersky Lab sein Produkt „Secure Connection“ an das FGIS gekoppelt. Die übrigen neun Anbieter seien der Aufforderung bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachgekommen. Laut verschiedener Medienberichte sind folgende Dienste betroffen: NordVPN, EspressVPN, OpenVPN, TorGuard, Keep Solid, HideMyAss!, Hola VPN, IPVanish und VyprVPN.

Mehrere der Anbieter sehen mit der Kopplung an das FGIS die vertrauliche Handhabung der Nutzerdaten bedroht und haben ihre Weigerung öffentlich bekundet. Die VPN-Dienstleister fürchten um den Schutz der Privatsphäre und würden mit der Vereinheitlichung des Datenverkehrs diesen nicht mehr gewährleisten können. Dieser Tatbestand stehe im direkten Widerspruch mit dem Ethos des Geschäftsmodells.

Dienstleistende Unternehmen, die mit VPNs (Virtual Private Networks) hantieren, stellen eine abgesicherte und verschlüsselte Verbindung her, die den Aufenthaltsort des eingeloggten Endgeräts verschleiert. Benutzer können durch dieses Vorgehen auf Webseiten zugreifen, die möglicherweise im eigenen Land blockiert wurden.

VPN-Diensten droht Sperrung

Sollen die Fronten zwischen der Telekommunikationsbehörde und den jeweiligen Anbietern weiterhin so verhärtet bleiben, müssten russische Internet Provider den Zugang zu den VPN-Diensten für ihre Nutzer sperren. Um dieses Szenario zu umgehen, müssen sich die Dienstleister anderweitig entscheiden und die Anbindung ans Informationssystem herstellen oder eine eigenmächtige Blockierung der unerwünschten Seiten in die Wege leiten.

Laut den Angaben von Aleksandr Zharov soll die Blockierung der nicht kooperierenden VPN-Dienste in einem Zeitraum von einem Monat erfolgen. Der Zugriff auf die Seiten internationaler Online-Casinos und Pokerseiten wäre für die Anbieter so unmöglich. Zharov prophezeite in einem mit der russischen Nachrichtenagentur Interfax geführten Interview, dass die geplante Sperrung der VPN-Dienste für russische Nutzer keine Nachteile haben wird:

“Diese zehn VPNs erschöpfen nicht die gesamte Liste der Proxy-Programme, die unseren Bürgern zur Verfügung stehen. Ich denke, dass keine Tragödie eintreten wird, wenn sie blockiert werden, obwohl es mir sehr leidtut.“

Russland schränkt Freiheit im Netz ein

Die aktuelle Debatte ist in Russland nicht erst seit gestern entbrannt. Schon in den vergangenen Jahren standen VPN-Anbieter im Visier der russischen Kommunikationsbehörde. Im Jahr 2016 landete beispielsweise der VPN-Dienst HideMe.ru auf der schwarzen Liste. Die Behörde forderte, die Dienstleistung so umzustrukturieren, dass Nutzern der Zugriff auf die im FGIS registrierten Webseiten verweigert wird.

HideMe sah sich daraufhin zum Handeln gezwungen und richtete kurzerhand eine neue Domain unter dem Titel HideMyName ein. Gleichzeitig griff der VPN-Dienst die russischen Behörden scharf an und kritisierte, dass derartige Forderungen nicht in den Befugnis-Bereich der Behörde fallen würden.

Der russische Präsident Wladimir Putin griff allerdings nur ein Jahr später ein und verabschiedete ein Gesetz, das zum einen die Verbreitung extremistischer Inhalte im Internet eindämmen soll, und zum anderen, die Nutzung von VPN-Diensten verbietet. Allerdings haben nicht nur Anbieter von Virtual Private Networks mit harschen Restriktionen des Internets zu kämpfen.

So erfuhr im April 2018 der Messengerdienst Telegram eine nationale Sperrung. Ausschlaggebend für diesen Schritt war, dass der Messengerdienst sich nicht bereiterklärte, dem russischen Geheimdienst FSB Daten seiner Nutzer zur Verfügung zu stellen. Die offizielle Stellungnahme der russischen Behörden zu diesem Vorfall fußte darauf, dass Telegram auch für terroristische Aktionen und deren Planung genutzt werden könne.

Angriffe gegen unerwünschte Webseiten

Der Eingriff der russischen Behörden in den Kosmos des Internets betrifft nicht nur vermeintlich kleinere Unternehmen. Auch Internet-Gigant Google wurde Opfer der Restriktionen in Russland. Der Konzern sah sich immer wieder mit Forderungen konfrontiert, sich mit dem staatlichen Informationssystem zu verbinden. Doch das war nicht alles. Russland warf dem Internetgiganten vor, gegen geltendes Recht Werbung für ein Online-Casino geschaltet zu haben.

Das Vorgehen seitens Russlands gegen Online-Casinos beschränkt sich allerdings nicht auf Einzelfälle. Auch russischen Banken ist seit dem Jahr 2017 untersagt, jegliche Transaktionen zwischen Konten und Online-Casinos durchzuführen. Die Verbote fußen auf dem seit dem Jahre 2009 gültigen Gesetz, welches den Betrieb von Online-Casinos in Russland verbietet.

Russland geht mit harten Bandagen gegen Online-Casinos vor und lässt dabei nichts unversucht. Unter anderem wird für die Verhinderung eines Zugriffs das neuste Internetprotokoll IPv6 genutzt. Diese Technologie ermöglicht die Kontrolle jeglicher Online-Aktivitäten. Dadurch kann auch der Besuch und das Spielen in einem Online-Casino erkannt werden.

Laut eines Artikels von netzpolitik.org sperrt Russland jeden Tag durchschnittlich 244 Seiten. Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) beschreibt das Blockieren von Webseiten im Internet als politische Tagesordnung. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr meint:

Die russische Führung muss ihre rückwärtsgewandte Politik gegenüber Journalisten, Bloggern und Internetnutzern endlich beenden. Mit drakonischen Strafen und ausufernden Internetsperren versucht der Kreml, die lebendige russische Blogosphäre zum Schweigen zu bringen. Doch das vielfältige Angebot alternativer Medien und Online-Portale lässt sich – anders als das Fernsehen – nicht ohne Weiteres wieder vereinheitlichen und staatlicher Kontrolle unterwerfen.

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