- Juni 2020
- ANJ gegründet
- 3
- Säulen im Plan 2024–2026
- 1,4 Mio.
- Risikospielende (Schätzung 2019)
- 14,1 Mrd. €
- Bruttospielertrag 2025
- 17
- zugelassene Online-Anbieter (Wetten, Poker)
Was steht im Plan der ANJ?
Die ANJ ist eine unabhängige Behörde, die im Juni 2020 entstand. Ihr Plan für 2024 bis 2026 ruht auf drei Säulen. Die erste ist die öffentliche Gesundheit: Anteil und Zahl der exzessiv Spielenden sollen „drastisch“ sinken. Die zweite heißt Transparenz und Integrität, mit dem Kampf gegen illegales Glücksspiel an der Spitze. Die dritte stärkt die wirtschaftliche Seite der Regulierung, um Marktgleichgewichte besser zu verstehen.
Als Ausgangslage nennt die Mitteilung der ANJ vom 2. Februar 2024 eine Schätzung der französischen Beobachtungsstelle von 2019: 1,4 Millionen Spielende mit Risiko, fast 400.000 davon auf pathologischem Niveau. Problematisches Spielen mache mehr als 38 % des Umsatzes aus, exzessives Spielen allein 21 %. Wichtig ist der Zeitbezug: Diese Daten stammen von 2019, nicht von 2024.
Was seitdem geschah
Die ANJ-Präsidentin Isabelle Falque-Pierrotin nennt 2025 im Vorwort des Jahresberichts eine „année charnière“, ein Wendejahr, und zugleich die Halbzeit des Plans. Die Bilanz sei „encourageant“. Sie nennt drei Punkte: Das Erkennen exzessiv Spielender habe sich verstärkt, die Werbe- und Bonusstrategien der Betreiber seien insgesamt besser unter Kontrolle, und die Kommission für Sanktionen habe erste bedeutende Entscheidungen getroffen, darunter eine öffentliche Sanktion in bisher unerreichter Höhe. Die Höhe nennt das Vorwort nicht.
Die Zahlen zum Markt stehen auf den ersten Seiten desselben Berichts: ein Bruttospielertrag von 14,1 Milliarden Euro, davon 2,6 Milliarden online, was 18,6 % des Marktes entspricht. Zwei Betreiber haben Exklusivrechte, die Française des Jeux und der PMU, und 17 Betreiber sind für Sportwetten, Pferdewetten oder Poker online zugelassen. Weitere Themen des Berichts sind ein Algorithmus zum Erkennen exzessiven Spiels und der Start eines Versuchsrahmens für Spiele mit digitalen Objekten, kurz JONUM.
Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat die ANJ laut Bericht erneut Vorschläge gemacht: gedeckelte Marketingbudgets, strengeres Sponsoring und einen Verlustbegrenzer für 18- bis 25-Jährige. Ob sie umgesetzt wurden, habe ich nicht geprüft.
Der Bericht gibt dem Markt ein Gesicht: 6,1 Millionen aktive Online-Spielerkonten, 210 Casinos, 231 Pferderennbahnen und 7 Spielclubs in Paris. Fast jeder zweite Franzose spielt laut ANJ irgendeine Form von Glücksspiel. Damit ist der Plan nicht für eine Randgruppe geschrieben.
Was fordert die ANJ zur Fußball-Weltmeisterschaft?
Der Jahresbericht widmet der WM 2026 einen eigenen Abschnitt, weil sie ein Risiko für übermäßige Werbung sieht. Bei der Prüfung der Werbestrategien 2026 stellte die ANJ fest, dass die Werbebudgets der Betreiber um mehr als 25 % gestiegen waren, und dass die WM-Monate Juni und Juli 21 % ihres Marketingbudgets binden. Erstmals bat die Behörde alle Betreiber, ihr angekündigtes Gesamtbudget nicht zu überschreiten und Umschichtungen zu begrenzen.
Daneben wiederholt sie ältere Vorschläge: ein „whistle to whistle ban“, also keine Fernsehwerbung für Sportwetten fünf Minuten vor, während und fünf Minuten nach dem Spiel, strengere Regeln für Sponsoring und einen Verlustbegrenzer für 18- bis 25-Jährige. Die Werbung bleibt damit ein Schwerpunkt der Aufsicht.
Was sagt das über die Wirkung?
Sehr wenig, solange die Behörde keine Prävalenzzahlen veröffentlicht. „Ermutigend“ ist eine Einschätzung, keine Messung. Die ANJ selbst schreibt, dass der Wandel zu weniger intensiven Praktiken graduell sei und die Arbeit nicht erledigt.
Wie vergleicht sich das mit Deutschland?
Die deutsche Aufsicht, die GGL, arbeitet mit Instrumenten, die sich konkret messen lassen: 1.000 € Einzahlungslimit im Monat über alle Anbieter hinweg, mindestens 5 Sekunden je Spiel, ein Panikbutton und das Sperrsystem OASIS. Die Wirkung der Regeln ist damit besser kontrollierbar als eine allgemeine Reduktionsabsicht, doch auch hier fehlt ein einfacher Wert, der sagt, ob weniger Menschen gefährdet sind. Wie die Sperren funktionieren, steht auf der Seite Verantwortungsvolles Spielen.
FAQ – häufige Fragen
Was ist die ANJ?
Die Autorité nationale des jeux, Frankreichs unabhängige Glücksspielaufsicht. Sie wurde im Juni 2020 geschaffen.
Was steht im Plan 2024 bis 2026?
Drei Säulen: Gesundheit (weniger exzessive Spielende), Transparenz und Integrität mit Kampf gegen illegales Spiel, und die wirtschaftliche Dimension der Regulierung.
Wie fällt die Bilanz zur Halbzeit aus?
Die ANJ-Präsidentin nennt das Jahr 2025 einen Wendepunkt und die Bilanz ermutigend. Konkrete Zahlen zum Rückgang exzessiver Spielender nennt der Vorwort-Text nicht.
Wie groß ist der französische Markt?
Laut Jahresbericht 2025 liegt der Bruttospielertrag bei 14,1 Milliarden Euro, davon 2,6 Milliarden online.
Quellen
Behörde
- The ANJ publishes its 2024/2026 strategic plan aimed at drastically reducing the proportion of excessive gamblers · Autorité nationale des jeux (ANJ) · 2024-02-02
- Rapport annuel 2025 · Autorité nationale des jeux (ANJ) · 2026-06
Weitere Quellen
- auf der offiziellen Website der Behörde detailliert dargestellt · geprüft 26.10.2026

