- 15.000 AUD
- Rückkauf-Angebot 2020
- knapp unter 3.500
- Genehmigungen heute
- 1.000
- Höchstzahl bis 2045
- mind. 500
- Rückgabe alle vier Jahre
- 1. Juli 2027
- Kürzere Betriebszeiten
Was bot Canberra den Wirten 2020 an?
Poker machines, in Australien „Pokies“ genannt, stehen dort nicht nur in Casinos, sondern in Clubs, Kneipen und Restaurants. Als die Corona-Maßnahmen im Frühjahr 2020 die Gastronomie trafen, schlug Andrew Barr, der Labor-Regierungschef des Territoriums, vor, dass Betriebe ihre Automatengenehmigung gegen 15.000 AUD an den Staat zurückgeben können. Der Plan sollte zwei Dinge erreichen: Geld für die Wirte und weniger Glücksspiel.
Unterstützung kam damals von der Alliance for Gambling Reform, einem Bündnis gegen die Verbreitung des Glücksspiels. Es startete eine Petition, damit auch andere Bundesstaaten den Vorschlag übernehmen. Ich fasse hier den Stand zusammen, den die damalige Berichterstattung wiedergab. Die Einzelzahlen aus dem Ursprungsartikel, etwa zu den Pro-Kopf-Verlusten, habe ich für diese Fassung nicht neu belegen können und lasse sie deshalb weg.
Was seitdem geschah
Die Linie von 2020 hat sich durchgesetzt, nur größer und gesetzlich. Laut The Canberra Times hatte das Territorium die Zahl der Automaten 1998 auf 5.200 gedeckelt und senkt sie seit 2010. Ein verpflichtendes Rückgabeprogramm wurde gesetzlich festgelegt, und die Clubs gaben genug Genehmigungen ab, um das Ziel von 3.500 bis zum 1. Juli 2025 zu übertreffen.
Am 15. September 2026 kündigte die Regierung weitere Gesetze an. Am 20. Oktober 2026 brachte Gaming-Ministerin Marisa Paterson den „Gaming Machine (Harm Prevention and Reduction) Amendment Bill 2026“ ins Parlament ein, wie Region Canberra berichtet. Der Entwurf sieht vor:
- Spielen nur noch mit einem Konto, das an die Identität gebunden ist (kontenbasiertes, bargeldloses Spielen),
- ein im Voraus gesetztes Ausgabelimit,
- verpflichtende Spielpausen und eine Anbindung an das Selbstsperre-Register,
- ein Verbot von Geldautomaten in Lokalen mit Automaten,
- höchstens 1.000 Genehmigungen bis 2045, wobei mindestens 500 alle vier Jahre zurückgegeben werden müssen,
- kürzere Betriebszeiten ab dem 1. Juli 2027.
Laut Canberra Times sollen außerdem Abhebungen per EFTPOS vor Jahresende per Verordnung verboten werden, ein Geldautomaten-Verbot ein Jahr nach Inkrafttreten folgen, eine Spielpause von 15 Minuten pro Stunde gelten und die Selbstsperre zwischen sechs Monaten und fünf Jahren dauern. Die Maschinen sollen montags bis donnerstags von 2 bis 10 Uhr und freitags von 2 bis 9 Uhr abgeschaltet sein. Die Ministerin sagte, rund 58.000 Menschen in Canberra erlebten irgendeine Form von Glücksspielschaden. Der Entwurf geht zunächst in die Ausschussberatung und kommt im nächsten Jahr zur Debatte, ist also noch kein Gesetz.
Ob und wie viele Wirte das Rückkauf-Angebot von 2020 selbst angenommen haben, konnte ich nicht belegen. Belegt ist die Entwicklung der Gesamtzahl.
Was bedeutet das für Spielende in Deutschland?
Auf den ersten Blick wenig, denn Canberra regelt Automaten in Lokalen, Deutschland regelt Online-Anbieter mit Erlaubnis. Die Logik ist aber verwandt: Spielen nur mit identifiziertem Konto und festem Limit. Deutschland setzt sie online seit Jahren um. Nach der FAQ der GGL darf man anbieterübergreifend höchstens 1.000 € im Kalendermonat einzahlen, der Einsatz liegt im Regelfall bei 1 € je Spin.
Wie unterscheiden sich die geplanten Regeln von denen in Deutschland? Die Tabelle stellt den Entwurf von Canberra neben die deutschen Online-Regeln.
| Regelung | Canberra (Entwurf 2026) | Deutschland (online, GGL) |
|---|---|---|
| Spielpause | 15 Minuten pro Stunde | 5 Minuten nach 1 Stunde (Stand GGL-Broschüre 11/2023) |
| Selbstsperre | 6 Monate bis 5 Jahre | mindestens 3 Monate |
| Limit | im Voraus gesetztes Ausgabelimit | 1.000 € Einzahlung pro Monat, alle Anbieter zusammen |
| Bargeld | Geldautomaten und EFTPOS-Abhebungen verboten | entfällt, Einzahlung im Netz |
Die Pause ist in Canberra deutlich länger geplant, die Sperre in der Spitze auch. Berichtet wird ein im Voraus gesetztes Ausgabelimit. Ob es wie in Deutschland ein Limit geben wird, das über alle Anbieter hinweg zählt, geht aus den Berichten nicht hervor.
Wo es noch offen ist
Ob die Gesetze so beschlossen werden und wie die Clubs den Wandel verkraften, steht aus. Region Canberra erwähnt eine gemeinsame Übergangsgruppe von Regierung und Clubs, die prüfen soll, wie Betriebe weniger von Spieleinnahmen abhängig werden. Dort wird sich zeigen, ob aus einem Rückkauf-Angebot ein tragfähiges Geschäftsmodell ohne Automaten wird.
FAQ – häufige Fragen
Was bot der Regierungschef von Canberra den Wirten 2020 an?
Laut damaliger Berichterstattung bot Andrew Barr Gastronomen, die Spielautomaten betreiben, 15.000 AUD für die Rückgabe der Glücksspiellizenz an den Staat.
Wie viele Spielautomaten hat Canberra heute?
Knapp unter 3.500 Genehmigungen, so die Berichterstattung zum Gesetzentwurf vom 20. Oktober 2026. 1998 war die Zahl auf 5.200 gedeckelt worden.
Was soll der Gesetzentwurf von Oktober 2026 ändern?
Spielen soll nur noch mit einem Konto mit Identitätsprüfung und im Voraus gesetztem Ausgabelimit möglich sein. Außerdem sollen Geldautomaten in solchen Lokalen verboten und die Maschinen bis 2045 auf höchstens 1.000 reduziert werden.
Gilt das auch in Deutschland?
Nein. Für Online-Spielotheken mit deutscher Erlaubnis gelten andere Regeln, etwa ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 € im Monat.
Quellen
Presse
- ID checks, spending limits and cashless pokies: ACT Government introduces major gambling bill · Region Canberra · 2026-10-20
- ACT unveils new laws to cut poker machines, make gaming cash-free · The Canberra Times · 2026-09-15
Behörde
- FAQ zu Einzahlungslimit und Höchsteinsatz · Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) · 2026-08-25
Weitere Quellen
- regelmäßig kritisierte Verbreitung des Glücksspiels in Australien · geprüft 26.10.2026

