Die Spielbank Wiesbaden steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung: Die Ausschreibung der Betreiberkonzession birgt Potenzial für tiefgreifende Veränderungen. Die Stadt sucht einen neuen Betreiber, wobei der österreichische Glücksspielriese Novomatic als Favorit gilt.

- Historische Spielbank seit 1771 ein kulturelles und wirtschaftliches Highlight.
- Novomatic als potenzieller neuer Betreiber in der Pole-Position.
- Spielbank zählt zu den Top Fünf in Deutschland.
Ein Erbe von historischem Wert
Die Wiesbadener Spielbank, erstmals 1771 konzessioniert, ist nicht nur eine der ältesten, sondern auch eine der bedeutendsten Spielbanken in Deutschland. Sie hat sich ihren altmodischen Charme bewahrt und war im Laufe der Jahrhunderte ein Anziehungspunkt für gekrönte Häupter, Musiker und Literaten. Zu den berühmtesten Gästen zählte der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski, dessen Erfahrungen in der Spielbank Wiesbaden ihn zu seinem bekannten Roman „Der Spieler“ inspirierten.
Die Stadt Wiesbaden profitiert erheblich von der Spielbank. Die jährlichen Einnahmen aus der Spielbankabgabe belaufen sich auf bis zu sieben Millionen Euro, die unter anderem in kulturelle und soziale Projekte fließen. Bürgermeisterin Christiane Hinninger betont die Bedeutung der Spielbank sowohl als wirtschaftlichen Motor als auch als kulturelles Erbe.
Novomatic als potenzieller Betreiber
Der österreichische Glücksspielanbieter Novomatic, der bereits ein Drittel der Anteile an der Spielbank hält, wird als Favorit für die neue Betreiberkonzession gehandelt. Novomatic, bekannt für seine Präsenz bei legalen Online Glücksspielanbietern und als Betreiber von Spielhallen, könnte bald die alleinige Kontrolle über die Spielbank Wiesbaden übernehmen.
„Die Spielbank Wiesbaden ist eine Goldgrube für sowohl die Betreiber als auch die Stadt. Die Einnahmen aus der Spielbankabgabe sind ein wesentlicher Bestandteil des städtischen Haushalts.“
Novomatic hat bereits Erfahrung mit der Verwaltung von Spielbanken in Deutschland und betreibt unter anderem die Spielbank in Mainz. Allerdings könnte auch die aktuelle Betreiberfirma, die Spielbank Wiesbaden GmbH & Co. KG, den Zuschlag erhalten.
Herausforderungen und Chancen der Ausschreibung
Die bevorstehende Ausschreibung bietet nicht nur Novomatic, sondern auch anderen potenziellen Bewerbern die Möglichkeit, sich um die Konzession zu bewerben. Die Stadt Wiesbaden hat ein großes Interesse daran, den einzigartigen Charakter und die Atmosphäre der Spielbank zu bewahren. Bürgermeisterin Hinninger äußert sich jedoch aus rechtlichen Gründen nur sehr zurückhaltend zum Ausschreibungsverfahren, das von einer Rechtsanwaltskanzlei begleitet wird, um juristisch nicht angreifbar zu sein.
„Für die Stadt ist es entscheidend, dass der zukünftige Betreiber die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der Spielbank versteht und fördert.“
Rückblick auf frühere Betreiber
Seit 2009 wird das Spielcasino von der Spielbank Wiesbaden GmbH & Co. KG betrieben, wobei sich die Zusammensetzung der Gesellschafter mehrfach geändert hat. Zu den früheren Beteiligten gehörten unter anderem die Jahr+Achterfeld Beteiligungsgesellschaft und die Kuffler-Gruppe, ein Gastronomie-Familienunternehmen aus München.
Die Verlängerung der Konzession im Jahr 2017 um zwei Jahre war umstritten und stellte sich später als vergaberechtswidrig heraus. Trotz dieser Herausforderungen blieb die Spielbank ein zentraler Bestandteil der Wiesbadener Kulturlandschaft.
Wirtschaftliche Bedeutung der Spielbank
Die Spielbank Wiesbaden zählt zu den Top Fünf in Deutschland, gemessen am Bruttospielertrag. Diese Einnahmen sind entscheidend für die gesetzlich festgelegte Höhe der Spielbankabgaben, die sowohl dem Land als auch der Standortkommune zugutekommen. Die Stadt Wiesbaden hat im vergangenen Jahr insgesamt 335.000 Euro aus den Mitteln für Initiativen und Veranstaltungen ausgeschüttet, die sich auf den Feldern Kultur, Soziales, Sport, Umwelt und Frauenrechten engagieren.
Darüber hinaus sieht der Konzessionsvertrag, den Wiesbaden bislang mit dem Spielbankbetreiber geschlossen hat, „sonstige Leistungen“ in Höhe von rund 400.000 Euro im Jahr für die Standortkommune vor. Davon finanziert Wiesbaden den ausgelobten Rheuma- und den Jawlensky-Preis, bezuschusst das jährliche Pfingstturnier und fördert die Stiftung Sporthilfe.
In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen im Glücksspielsektor, wie dem deutlichen Umsatzanstieg der deutschen Spielbanken im ersten Halbjahr 2024, bleibt die Spielbank Wiesbaden ein wertvolles Juwel, das es zu bewahren und zu fördern gilt.
Ein Blick in die Zukunft
Mit der bevorstehenden Ausschreibung steht die Spielbank Wiesbaden an einem Scheideweg. Die Stadt hat die Chance, durch die Wahl eines geeigneten Betreibers die Zukunft der Spielbank zu sichern und gleichzeitig die kulturelle und soziale Bedeutung des Standorts zu stärken.
Die Spielbank bleibt ein wertvolles Juwel der Stadt Wiesbaden, das es zu bewahren und zu fördern gilt. Egal, wer den Zuschlag erhält, die Erwartungen an den neuen Betreiber sind hoch, denn er muss nicht nur wirtschaftlichen Erfolg sichern, sondern auch die Tradition und den Charakter der Spielbank erhalten.


