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Spielsucht: Hilft ein neues Medikament?

Glücksspiel ist in der Regel aufregend und spannend, kann aber bei einigen Menschen auch andere Züge annehmen, die im schlimmsten Fall in eine Spielsucht münden. Im vergangenen Monat veröffentlichte das British Medical Journal (BMJ) diesbezüglich eine Studie finnischer Forscher, die sich mit dem Einsatz des Wirkstoffs Naloxon bei Spielsucht beschäftigt hat. Die Resultate machen Hoffnung auf eine erfolgreiche Behandlung von Personen mit Glücksspielabhängigkeit.

Eine Frau nimmt Nasenspray.
Der Wirkstoff Naloxon wurde während des Untersuchungszeitraums von den Teilnehmern ähnlich wie Nasenspray eingenommen. (©Bildquelle)

Ursachen für Spielsucht sind vielfältig

Die Spielsucht fällt unter die Rubrik psychische Erkrankung und kann daher vielfältige Ursachen aufweisen, die bei jedem einzelnen Menschen ganz individuell auftreten. In der Regel ist es fast unmöglich, einen ausschlaggebenden Grund für die Abhängigkeit von Glücksspielen zu definieren, da mehrere Faktoren ineinandergreifen. Psychologe Gerhard Hofman kennt die Aspekte, die das Risiko, eine Spielsucht zu entwickeln, beeinflussen:

“Menschen, die ein generelles Problem damit haben, ihre Gefühle zu kontrollieren oder in Konfliktsituationen schnell überfordert sind, sind prinzipiell spielsuchtgefährdeter als Personen, die sich besser kontrollieren können. Impulsivität muss nicht zwangsweise in einem pathologischen Spielerhalten enden, kann aber einen Risikofaktor darstellen.“

Das Umfeld ist maßgeblich an einer Spielsuchtentwicklung beteiligt. Wächst eine Person mit Bezug zu viel Glücksspiel auf, ist die Affinität und damit die Zuwendung höher. Dadurch entsteht ein erhöhtes Risiko. Gleiches gilt für das soziale Umfeld. Es beeinflusst das menschliche Verhalten und kann die Haltung zu Glücksspielen entscheidend beeinflussen. Nicht selten haben Betroffene bereits vor der Spielsucht Probleme mit dem Selbstwertgefühl und Schwierigkeiten mit emotionalen Beziehungen. Um den Wunsch nach Schutz und Stabilität zu erfüllen, wenden sich betroffene Menschen dem Glücksspiel zu. Das Glücksspiel an sich fungiert dabei nur als Puffer und soll die Hilfslosigkeit beseitigen. Die wahren Probleme sitzen meist wesentlich tiefer. Zudem können andere psychische Erkrankungen wie Depressionen im Zusammenhang mit Spielsucht stehen.

Medikament als Heilsbringer?

Obwohl die pathologische Spielsucht offiziell als Krankheit angesehen wird, begibt sich nur ein auffällig geringer Anteil der betroffenen Menschen in eine professionelle Behandlung. Forscher aus Helsinki nahmen diesen Faktenlage als Impuls für ihre Studie. Die Undurchsichtigkeit der Krankheit und die gesellschaftliche Tabuisierung mache es dringend notwendig, dass effektive, leicht anwendbare und vor allem patientenfreundliche Formen der Behandlung in den klinischen Alltag eingebunden werden.

Die ersten Ergebnisse der Pilotstudie stammen aus dem Jahr 2017 und liefern erste Einschätzungen zur möglichen medikamentösen Behandlung von Spielsucht mit Naloxon. Der Fokus der Untersuchungen wurde auf die Verträglichkeit, Realisierbarkeit und Wirkung der Verabreichung von Naloxon bei Spielsucht gelegt. Dr. Sari Castén, aktuell im finnischen Gesundheitsministerium tätig, ist Leiterin der Pilotstudie und hatte genaue Vorstellung für die Herangehensweise:

“Für die Studie akquirierten wir 20 Teilnehmer, elf Frauen und neun Männer. Alle Probanden litten unter einer pathologischen Spielsucht. Um vergleichbare Resultate zu erhalten, teilten wir sie in zwei Gruppen zu je zehn Personen auf. Beiden Parteien wurde der Wirkstoff Naloxon in Form eines Nasensprays verabreicht, das bei steigendem Suchtdruck eigenmächtig angewandt wurde.“

Der genaue Ablauf der Studie sah vor, dass die beiden Vergleichsgruppen eine unterschiedliche Maximaldosis pro Tag einnehmen sollten. Für Gruppe A lag die Obergrenze bei 8 Milligramm. Bei Bedarf konnten sich die Teilnehmer bis zu viermal täglich je 2 Milligramm verabreichen. Bei Gruppe B wurde das Maximum bei 16 Milligramm angesetzt.

Anwendung zeigt Erfolge

Die Auswertungen der Forschung zeigten deutliche Erfolge, die sich durch den Rückgang von Spieldruck und Depressionen manifestierten. Im zeitlichen Rahmen der Studie kam es an 73 Prozent der Tage zu keinen negativen Vorkommnissen bezüglich Glücksspiels. Die Suchterscheinungen nahmen die Teilnehmer deutlich weniger intensiv wahr.

Vor allem die depressiven Symptome erlebten eine rückläufige Entwicklung. Insgesamt 15 Probanden gebe zu Protokoll, dass sie durch die Behandlungsmethode mehr Kontrolle über die Glücksspielsucht erhalten hatten. Zwar konnten bei Teilnehmern beider Vergleichsgruppen Erfolge erzielt werden, allerdings kristallisierte sich heraus, dass eine höhere Dosierung Naloxon zielführender ist. Gruppe B wies einen geringeren Spieldruck auf als Gruppe A. Sari Castén weist allerdings darauf hin, dass die Ergebnisse noch mit Vorsicht zu genießen sind:

“Die Resultate der Pilotstudie stimmen uns zwar positiv, aber es gibt noch einige Baustellen. Trotz einer niedrigen Dosierung klagten einige Probanden der Gruppe A über naloxon-typische Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Kopfschmerzen. Das gilt es im Auge zu behalten. Die Untersuchungen wurden zudem an nur 20 Menschen durchgeführt. Über eine repräsentative Symbolik lässt sich kaum sprechen.“

Zu den warnenden Worten der Forschungsleiterin gesellen sich einige kritische Erkenntnisse. Obgleich der Ausübungsdrang der Spielsucht im Vergleich zu vorher deutlich gesunken ist, so konnte zuweilen ein Anstieg der Ausgaben beim Glücksspiel festgestellt werden. Trotz der erforderlichen Optimierung der Behandlung mit Naloxon sind fast alle Teilnehmer positiv gestimmt. Eine 29-jährige Probandin hob die Einnahme des Medikaments hervor und erklärte:

“Ein einfach anzuwendendes Medikament. Ich musste niemanden erklären, welches Medikament ich einnehme, da es einem ganz normalen Nasenspray ähnelt – und es ist eine einfach zu handhabende psychologische Krücke.“

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