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Untergang einer Ortschaft: Campione nach der Casino-Pleite

Glanz und Glamour versprühte Campione über viele Jahre hinweg. Die kleine Gemeinde war weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt – und zwar für ihr Casino. Der gigantische Komplex galt immerhin als das größte Casino Europas, in dem gut situierte Geschäftsleute sich mit Promis aber auch Touristen bis hin zu Ortsansässigen die Klinke in die Hand gaben. Die kleine Ortschaft mit lediglich rund 2.000 Einwohnern bot Luxus und Lebensgefühl und lebte durch sein Casino im Reichtum. Vor ca. einem Jahr kam dann allerdings der große Bruch. Das Casino ging Pleite. Heute ist Campione nur noch ein Schatten seiner glamourösen Vergangenheit. Die Bewohner leiden massiv.

Der gigantische Casino-Komplex in Campione in der Außenansicht.
Einst das größte Casino Europas – heute ein leerstehender Gebäudekomplex: das ehemalige Casino von Campione. (©Aargauerzeitung.ch)

Casino fast der einzige Arbeitgeber

Campione ist eine italienische Exklave in der Südschweiz, genauer gesagt in Südtessin. An der wunderschönen, an einem Berghang gelegenen Seepromenade hängt ein großes Banner mit der Aufschrift: SOS – Campione is DEAD. Das Banner trübt den ansonsten beeindruckenden Blick auf das kleine Örtchen mit seinem gigantischen, zehnstöckigen Gebäudekomplex, der bis vor rund einem Jahr noch das größte Casino Europas beherbergte, in dem Menschen aus der Region, aber auch Gäste aus der ganzen Welt ihr Glück auf die Probe stellten.

Die Casino-Pleite gleicht dem Untergang einer ganzen Gemeinde. 482 Menschen verdienten ihr Geld als Angestellte im Casino. Zahlreiche weitere Anwohner des Dorfes lebten vom Tourismus, der unmittelbar mit dem Casino verbunden war. Seit nun mehr als einem Jahr haben viele Bewohner kein Einkommen mehr, die zuvor teilweise Jahrzehnte lang im Casino gearbeitet hatten. Die Region Campione hatte alles auf das Megaprojekt gesetzt und zunächst damit auch Erfolg gehabt. Die Abhängigkeit von nahezu nur einem Arbeitgeber war allerdings auch dementsprechend risikoreich. Doch als das einst größte Casino Europas standen die Zeichen eigentlich vielversprechend.

In den guten Zeiten gingen alle zehn Tage rund 700.000 Franken wöchentlich in den Gemeindekassen vom Casino ein. Die Gemeinde sonnte sich in Wohlstand und Arbeit. Doch starke Konkurrenz durch andere Spielbanken in der näheren Umgebung, sowie der große Erfolgslauf von Online-Casinos verschärften die Lage in Campione in den letzten Jahren zusehends. Die Abhängigkeit vom Casino wurde immer bedrohlicher und endete letztendlich im Fiasko. Ehemalige Mitarbeiter zeigen kein Verständnis für das katastrophale Management. Die Gemeinde habe sich mit der Abhängigkeit vom Casino-Tempel keinen Gefallen getan.

“Am 27. Juli 2018 haben wir zum letzten Mal unseren Lohn erhalten. Wir werden zusammen mit unseren ehemaligen Arbeitskollegen Protestaktionen und Demonstrationen starten. Das Management des Casinos war ein Filz von Unfähigen. Die einzige Rettung ist, dass das Casino wieder geöffnet wird, besser heute als morgen.“

Katastrophale Folgen für die Gemeine

Das katastrophale Ausmaß der Casino-Pleite war zu Beginn noch gar nicht abzusehen. Doch die vergangenen Monate holten die Bewohner der 2.000-Seelen-Gemeinschaft knallhart auf den Boden der Tatsachen herunter. Die Zahlen und Fakten belegen den scheinbar aussichtslosen Stand der Dinge:

  • Die Gemeinde als alleiniger Eigentümer der ehemaligen Spielbank ist mit rund 140 Millionen Franken verschuldet.
  • Das Casino selbst besitzt eine Schuldenliste von ca. 175 Millionen Franken.
  • Mehr als 800 Einwohner (ca. 40 Prozent) von Campione sind arbeitslos.
  • Ein Seniorenheim, das Tourismusbüro sowie mehrere Kindergärten mussten bereits schließen.
  • Die Schule kann nur noch in besonderen Fällen beheizt werden.
  • Gemeindemitarbeitern wurde bereits seit einem Jahr kein Gehalt mehr ausgezahlt.

Würde das Kanton Tessin der Gemeinde nicht helfen, wäre die kleine Ortschaft wohl bereits dem endgültigen Untergang geweiht. Doch auch vom Kanton können die anfallenden Kosten von mehr als fünf Millionen Franken für Schulgelder, Abfallentsorgung, Strom oder Gas nicht dauerhaft übernommen werden. Verantwortliche aus Politik und Verwaltung diskutieren daher über die Einführung von Steuerabgaben durch beispielsweise Grenzgänger. Eine Einigung ist bisher allerdings nicht in Sicht.

Kurzfristig nur eine Lösung in Sicht

Der täglich steigende Schuldenstand zwingt die Gemeinde zu einer schnellen Lösung. Als einzige realistische und zeitnahe Lösung kommt allerdings nur eine Wiedereröffnung des Casinos in Frage. So wären zumindest erst einmal wieder Einnahmen der Gemeinde und Arbeitsplätze gesichert. Auf lange Sicht gesehen könnte die Gemeinde dann Stück für Stück ihre Abhängigkeit von der gigantischen Spielbank lösen.

Casino in Campione: Das gigantische, zehnstöckige Casino-Gebäude wurde bereits 1990 errichtet. Entworfen wurde es vom Tessiner Stararchitekten Mario Botta. Die Kosten für die Spielbank beliefen sich auf rund 190 Millionen Franken.

Doch so einfach dieser Plan auch klingen mag, die Umsetzung gestaltet sich deutlich schwieriger. Zum einen dürften potenzielle Investoren von der Casino-Pleite aus dem letzten Jahr abgeschreckt sein. Zum anderen darf Campione selbst aufgrund des noch laufenden Konkursverfahrens fünf Jahre lang kein Teilhaber eines Casinos sein. Für eine entsprechende Änderung müsste in Rom ein landesweites Gesetz beschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit einer derartigen Umsetzung ist zwar niedrig, doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – auch im kleinen Ort Campione.

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