Deutschland sieht sich mit einem Rückgang der Steuereinnahmen im Online-Glücksspiel konfrontiert. Die Abwanderung der Spieler auf den Schwarzmarkt und regulatorische Herausforderungen stehen im Mittelpunkt der Diskussion.

- In Deutschland stagnieren die Steuereinnahmen aus dem Online-Glücksspiel.
- Der Schwarzmarktanteil beträgt inzwischen bis zu 40 Prozent.
- Regulatorische Herausforderungen beeinflussen den legalen Markt negativ.
Einbruch der Einnahmen aus dem Online-Automatenspiel
Die jüngsten Daten des Bundesfinanzministeriums zeigen, dass die Steuereinnahmen, die in legalen Online Casinos in Deutschland durch virtuelle Automatenspiele generiert werden, deutlich gesunken sind. Im vergangenen Jahr reduzierten sich die Einnahmen auf 213 Millionen Euro, was einem Rückgang von 51 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Dieser Rückgang widerspricht der allgemeinen Beliebtheit des digitalen Glücksspiels, dass sich seit 2015 in Europa und Deutschland mehr als verdoppelt hat. Auch im Jahr 2024 hat der Markt in Europa und Deutschland signifikant zugelegt. Im Hinblick auf die Steuereinnahmen hatte dieser Trend allerdings keinen Einfluss und speziell der Markt in Deutschland stagniert.
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist die Abwanderung von Spielern auf den Schwarzmarkt, der mittlerweile einen Anteil von bis zu 40 Prozent ausmacht. Die EU Staaten sind oft machtlos im Kampf gegen illegales Online Glücksspiel aufgrund internationaler rechtlicher Hürden. Diese Entwicklung birgt wirtschaftliche Risiken und gefährdet den Konsumentenschutz.
Regulatorische Herausforderungen und Steuerpolitik
Der Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland sollte den Markt regulieren und den Spielerschutz verbessern. Doch die aktuellen Regulierungen könnten unbeabsichtigt dazu führen, dass Spieler unregulierte Plattformen bevorzugen.
Umgesetzte Maßnahmen der GGL
Um den Spielerschutz zu stärken, hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) eine Reihe von Maßnahmen eingeführt. Dazu gehört die Begrenzung des Maximaleinsatzes auf einen Euro pro Spielrunde, was das Risiko großer Verluste reduzieren soll. Zudem wurden Tischspiele im Online-Bereich komplett verboten, wodurch das Spielangebot für Nutzer einschränkt wird.
Des Weiteren müssen Spieler zwischen den einzelnen Spielrunden eine verpflichtende Pause einlegen, um impulsives Spielen zu verhindern. Diese Regelungen sollen dazu beitragen, das Spielerlebnis sicherer zu machen, führen jedoch auch dazu, dass viele Spieler das legale Angebot als weniger attraktiv empfinden und sich Alternativen auf dem Schwarzmarkt suchen.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat die Aufgabe, die Einhaltung der Glücksspielregulierungen zu überwachen und einen sicheren, fairen Markt zu gewährleisten, wobei der Spielerschutz im Mittelpunkt steht.
Die Steuerbemessung
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Steuerbemessung, die in Deutschland auf Grundlage der Spieleinsätze erfolgt, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, die den Bruttospielertrag als Grundlage verwenden. Dies führt dazu, dass Anbieter in Deutschland eine hohe Steuerlast in Höhe von 60% des erwirtschafteten Deckungsbeitrags tragen müssen, was den legalen Markt weniger attraktiv macht.
„Die Wahl der falschen Bemessungsgrundlage gefährdet massiv den Erfolg der Regulierung in Deutschland“, fügt DOCV-Präsident Dirk Quermann hinzu. Dieser Missgriff führe zu „einem riesigen und weiterwachsenden Schwarzmarktproblem und erodierenden Steuereinnahmen“.
Erholung im Bereich Sportwetten und Online-Poker
Im vergangenen Jahr erholten sich die Steuereinnahmen aus dem Online-Glücksspiel leicht. Besonders im Bereich der Sportwetten und des Online-Pokers waren Zuwächse zu verzeichnen. Die Einnahmen aus Sportwetten stiegen um 14 Millionen Euro auf 423 Millionen Euro, während Online-Poker um 4 Millionen auf 35 Millionen Euro wuchs.
Diese Erholung wird auf besondere Sport-Highlights wie die Fußball-Europameisterschaft zurückgeführt. Dennoch warnt der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) davor, dass der Schwarzmarkt weiterhin eine erhebliche Bedrohung darstellt.
„Normalerweise wirkt ein Großereignis wie die Europameisterschaft als ‚13. Umsatzmonat‘“, erklärt der Deutsche Sportwettenverband (DSWV). „Dass der Markt dennoch nahezu stagniert, ist ein ‚alarmierendes Signal‘. Der Verband macht deutlich, dass immer mehr Spieler auf den Schwarzmarkt ausweichen.“
Attraktivität des deutschen Online Glücksspielmarkt verbessern
Deutschland steht vor der Herausforderung, die Attraktivität des legalen Glücksspielmarktes zu verbessern und den Schwarzmarkt einzudämmen. Ohne gezielte Reformen drohen weitere Einbußen, die sowohl die staatlichen Einnahmen als auch den Konsumentenschutz gefährden könnten.


