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Atlantic City: Steuerfreiheit für Casinos

Die Casinos in Atlantic City müssen künftig keine Vermögenssteuer zahlen und sparen so 55 Millionen US-Dollar. Laut übereinstimmenden US-Medienberichten habe Phil Murphey, Gouverneur von New Jersey, das neue Steuergesetz mit dem Namen „Casino Aid Bill“ unterzeichnet und damit den anhaltenden Spekulationen ein Ende bereitet. Senator Steve Sweeney hatte bereits vor einigen Monaten den Casinos der US-Glücksspielmetropole aufgrund der anhaltenden Wirtschaftsmisere eine Steuererleichterung in Aussicht gestellt.

Steuerliche Dokumente auf einem Haufen.
Das neue Steuergesetz befreit die Casinos in Atlantic City von der Vermögenssteuer. (©️Olga DeLawrence/Unsplash)

Atlantic City in der Krise

Einst galt Atlantic City in den Vereinigten Staaten als Glücksspielhochburg. Die Stadt im Bundesstaat New Jersey erlebte ihren Aufschwung in den 1920er-Jahren und profitierte von der Glücksspielprohibition. Lange Zeit zerrte die Metropole von den goldenen Jahren, doch heute ist nicht mehr allzu viel vom einstigen Glanz übrig. Die Glücksspielindustrie schwächelt seit den Nullerjahren. Viele Einrichtungen mussten bereits ihre Pforten schließen. Atlantic City beherbergt heute nur noch neun Casinos, die jedoch ebenfalls mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

Leichte Erholung. Für viele Branchen markierte 2021 eine leichte Erholungsphase nach dem Coronajahr 2020. Auch die Glücksspielindustrie in Atlantic City habe laut Medienberichten einen Aufwärtstrend erlebt. Allerding sei die positive Entwicklung trügerisch. So hätten das Online-Glücksspiel und die Sportwetten entscheidend dazu beigetragen, dass die Branche einen Umsatzanstieg verbuchen konnte. Die terrestrischen Casinos hätten dagegen Einbußen von 22 Prozent hinnehmen müssen. Lediglich das Hard Rock und das Ocean Casino seien in der Lage gewesen, im Vergleich zu 2019 schwarze Zahlen zu erwirtschaften.

Die Glücksspielbranche ist der treibende Motor in Atlantic City. Sie stellt unzählige Arbeitsplätze – sowohl direkt als auch indirekt. Den Niedergang der übrigen Casinos will die hiesige Politik entsprechend nicht verantworten. Aus diesem Grund legte der scheidende Senator im Sommer 2021 einen Gesetzentwurf vor, der die Glücksspielhäuser von der Vermögenssteuer befreien soll. Nach monatelangen Verhandlungen und Analysen habe nun Gouverneur Phil Murphey das neue Steuergesetz unterschrieben.

Steuerliche Umverteilung

Wie aus mehreren US-Medienberichten hervorgeht, würden die neun Casinos durch den Wegfall der Vermögenssteuer jährlich bis zu 55 Millionen US-Dollar sparen. Das neue Steuergesetz erlasse jedoch den gesamten Betrag nicht einfach, sondern sehe eine geringfügige Umverteilung vor. So soll ein gewisser Teil der Summe dem örtlichen Bildungssystem und öffentlichen Einrichtungen zugutekommen.

Die exakte Höhe der Abgaben basiere dabei auf den eingenommenen Bruttospielerträgen der Casinos. Einnahmen aus Sportwetten und Online-Glücksspiel lasse das neue Steuergesetz jedoch unberührt. Die Politik habe die Argumentation der hiesigen Casinobetreiber als schlüssig eingestuft, dass beide Bereiche eine hohe Kostenintensität mit sich bringen. So müsste etwa relativ viel Geld in die IT-Infrastruktur und in Provider investiert werden.

Win-win-Situation. Das „Casino Aid Bill“ bringe laut Experten sowohl für die Politik als auch für die Casinos Vorteile mit sich. Die Glücksspielhäuser müssten pro Kopf weniger Steuern entrichten, die gezahlte Gesamtsumme übersteige jedoch das Budget der Vermögenssteuer. So werde prognostiziert, dass New Jersey im Jahr 2022 zwischen 10 bis 15 Millionen US-Dollar mehr durch die Casinos einnehmen wird.

Das neue Steuergesetz komme für die Glücksspielindustrie in Atlantic City genau zur richtigen Zeit. Für das Jahr 2022 seien landesweit Steuererhöhungen geplant, die auch die Casinos entrichten müssen. Der Wegfall der Vermögenssteuer federe nun jedoch die finanzielle Last in einem annehmbaren Rahmen ab. Ohne die Gesetzesänderung hätten laut Sweeney zwei Casinos sofort schließen müssen.

Sicherung von Arbeitsplätzen

Der Casinoverband von New Jersey hatte sich von Beginn an stark für den Gesetzesentwurf von Senator Sweeny gemacht. Entsprechend euphorisch habe der Branchenverband reagiert, als Gouverneur Murphey seine Unterschrift unter das neue Steuergesetz gesetzt hat. So seien der Erlass der Vermögenssteuer und die finanzielle Umverteilung, die unter dem „PILOT-Programm“ laufen, der richtige Weg, um die Casinos der Stadt zu erhalten. Die Maßnahmen würden nicht nur für Stabilität sorgen, sondern auch Tausende Arbeitsplätze in der Stadt sichern.

PILOT-Programm. Das neue Steuergesetz in New Jersey basiert auf dem PILOT-Programm, das im Jahr 2017 und explizit für die Casinos in Atlantic City implementiert wurde. Das Programm verlangt von den hiesigen Casinos, Staat und County mindestens 120 Millionen US-Dollar pro Jahr zu zahlen. Die Summe steigt dabei auf bis zu 165 Millionen USD an, wenn der Gesamtumsatz im darauffolgenden Jahr die Grenze von 3,4 Milliarden USD übersteigt. Laut Medienberichten hätten die Glücksspieleinrichtungen bis November 2021 rund 3,85 Milliarden erwirtschaftet. Das Herausrechnen der Sportwetten und des Online-Glücksspiels lasse den Ertrag jedoch auf 2,34 Millionen schrumpfen.

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